Nach einer fünfjährigen Coaching-Absenz steht Coach Philippe Hofstetter, in der Schweiz als “Coach Phil” bekannt, 2015 wieder auf dem Rasen. Seit Mitte November koordiniert und leitet er das Training der Seniors, der 1. Mannschaft der Renegades, als Headcoach. Die Redaktion hat die Ferienzeit für ein Gespräch mit dem ehemaligen Junioren-Headcoach genutzt und mit ihm über die Gründe für seine Rückkehr und seine Pläne mit der ersten Mannschaft gesprochen.

DSC_0665 Zürich Renegades: Herzlich willkommen zurück, Phil. Weg warst du ja eigentlich gar nie, nur nicht mehr am Spielfeldrand. Was hast du in der Zwischenzeit eigentlich alles gemacht?

Philippe Hofstetter: Vielen Dank, ich freue mich sehr auf meine bevorstehende Arbeit. In den letzten fünf Jahren habe ich mich vor allem in unserem Vorstand engagiert. Letztes Jahr habe ich die Buchhaltung übernommen und gewisse Sachen rationalisiert sowie zwei neue “Jobs” geschaffen – viele Aufgaben muss nicht unbedingt der Kassier übernehmen, sondern kann auch von anderen zuverlässigen Personen erledigt werden. Deshalb behalte ich das Amt des Finanz-Chefs. Ihr arbeite auch am papierlosen Rechnungsverkehr – bei uns kann man sich seit 3 Jahren für die E-Rechnung anmelden.

ZR: Nun übernimmst du auch noch die Seniors als Headcoach. Was hat dich dazu bewogen, diesen Posten anzunehmen?

PH: Naja, ich hab ja immer gesagt dass ich irgendwann mal wieder zurück ins Coaching will. Der Grund ist eigentlich relativ einfach – die Mannschaft ist bereit, sie ist hungrig nach Erfolg und bereit, vieles dafür zu tun. Und sie wissen, was es dafür braucht. Die Seniors bestehen nach dem Abschied von Urs Gersbach letzten Sommer nur noch aus Spielern, welche unter mir bereits bei den Juniors gespielt haben oder aus Quereinsteigern, welche gar nie im Nachwuchs gespielt haben. Das ist optimal – die Spieler kennen meine Prinzipien und was ich mitbringe. Insofern dachte ich mir, wenn nicht jetzt, wann dann? Also hab ich mich als Headcoach angeboten.

ZR: Und der Vorstand rund um Thomas Zarinac haben dankend angenommen. Aber was sind das für Prinzipien, von denen du gesprochen hast?

PH: Hehe, ich dachte mir, dass du mich das fragst. Das ist etwas ganz vielschichtiges. Aber wenn ich kurz antworten soll: es geht um Wertschätzung. Spieler, welche trainieren, spielen auch. Ganz einfach. Es gibt bei mir im Team keine Superstars, keine unwichtigen Spieler. Es gibt talentiertere Spieler und weniger talentiertere Spieler, aber ein talentierter Spieler, der nicht ins Training kommt, nützt dem Team und mir nichts. Im Gegenteil, er schränkt uns taktisch ein, weil er das Playbook und evtl. Anpassungen nicht geübt hat…wenn du einen Stunt callst, du aber weisst, dass ein Spieler diesen nicht genau umzusetzen weiss, dann lässt du es lieber bleiben… und bist somit limitiert. Das schadet dem Team. Deswegen bevorzuge ich Spieler, die ins Training kommen. Dadurch wird auch der weniger talentierte Spieler irgendwann besser. Das “Irgendwann” ist übrigens das, was mich von anderen Coaches abhebt.

ZR: Erklär bitte!

PH: Ich habe Zeit. Und ich habe keinen Druck. Ich will ein Team, dass langfristig oben mitspielen kann, und nicht in einem Jahr Schweizer Meister werden, um danach zuzuschauen, wie das Team auseinander fällt. Klar will ich gewinnen, aber nicht um jeden Preis. Die Gesundheit des Teams steht immer an erster Stelle. Und wenn Spieler wissen, dass sie spielen, wenn sie ins Training kommen, dann stehen sie auch da. Dann musst du als Headcoach nur noch ein gutes Training gewährleisten, und auf einmal hast du ganz viele intrinsisch motivierte Spieler im Training.

ZR: Du spielst auf dein Coaching Staff an. Das war ja am Anfang eine etwas wackelige Sache, oder?

PH: Wackelig ist nur der Vorname. Ich hatte zunächst unter der Bedingung zugesagt, dass ich bis Ende Oktober mindestens drei Assistant Coaches rekrutieren könne. Ansonsten würde ich es nicht machen. Das ist etwas, was ich in der Vergangenheit gelernt habe – es braucht Assistant Coaches. Alleine kann man nicht ein Football-Team coachen. Fabian La Roche hat es vorletztes Jahr versucht, weil sonst niemand da gewesen wäre und ist daran beinahe ausgebrannt. Chapeau, was er da aus dem Team rausgeholt hat, aber der Preis war sehr hoch. Aber zurück zu jetzt: Ich habe dann gemerkt, dass es so rum nicht geht – “ich sage zu wenn die anderen drei zusagen” funktioniert nicht. Niemand wollte zusagen. Verständlich. Ich kann nicht von anderen verlangen sich zu verpflichten und selbst zuwarten. Also hab ich gesagt, ich mache es. Und ab diesem Zeitpunkt lief es nur noch in meine Richtung, und der Zufall hat mehr als einmal mitgeholfen. Und im Nachhinein betrachtet war die Zusage und nachträgliche Absage eines Coaches der Startschuss für eine Erfolgskurve.

ZR: Und inzwischen seid ihr fünf Coaches.

PH: Ja, fünf Coaches und drei Drill Instructors.

ZR: Was sind Drill Instructors?

PH: Das sind langfristig verletzte Spieler (d.h. länger als drei Monate) oder freiwillige Helfer, welche Teile des Trainings übernehmen. Der Offense Coordinator oder ich bereiten das Training schriftlich für den DI vor, mit Drills und Coaching Points, und lassen dann den DI die Trainingssequenz machen. Das entlastet die Coaches und schafft Kapazität für Splits innerhalb der Positionen, z.B. kann man die Defensive Tackles getrennt von den Defensive Ends trainieren, oder andere Gruppen zusammenstellen, Defensive Tackles mit Inside Linebackern oder Defensive Ends mit den Outside-Linebackern. Einer der drei DI’s ist ein Trainings-Quarterback, der den Receivern, Running-Backs oder den Defense Backs zur Verfügung steht, wenn die QB’s im Training gerade mit einer anderen Gruppe zusammenarbeiten.

ZR: Und wer sind die vier anderen Coaches?

Coach La RochePH: Das sind keine grossen Überraschungen. Fabian La Roche, mein langjähriger Coaching-Wegbegleiter, ist zurück aus Griechenland und dieses Jahr wieder voll dabei. Ich freue mich sehr, wieder mit ihm arbeiten zu können.

AMERICAN FOOTBALL - 03.04.2011, AFC RENEGADES vs. BERNE GRIZZLIES:Perry Patterson, unser letztjähriger Quarterback, übernimmt die Offense als Offense Coordinator und wird auch wieder Quarterback spielen. Perry hat letztes Jahr notfallmässig übernommen, nachdem sich Stan Bedwell im ersten Spiel verletzt hatte. Dieses Jahr sind wir an ihn herangetreten, und seine Pläne bei den Renegades haben unsere Vorstellungen bei weitem übertroffen. Deshalb sind wir uns rasch einig geworden.

Er hat uns auch auf Ricky Hall aufmerksam gemacht, der nur zwei Dörfer weiter von mir wohnt.Er coacht die Receiver mit grosser Begeisterung und ist voll motiviert. Dann ist da noch ein alter Bekannter, der eigentlich von Anfang an auf meiner Wunschliste stand:

CourtneyCourtney Dailey wird das Coaching Staff ab Anfang Februar erweitern und auch bei den Juniors Coaching-Funktionen übernehmen. Dass er das kann, wissen wir von seinem letzten Zürich-Aufenthalt. Mehr will ich hier gar nicht erzählen, ihr in der Redaktion werdet die drei ja noch genug featuren, oder?

ZRicky HallR: Ganz gewiss. Vor allem Ricky Hall verdient eine Vorstellung, und für Courtney müssen wir noch ein paar Anekdoten ausgraben! Noch eine letzte Frage, Phil: Was sind deine Ziele für die nächste Saison?

PH: Da gibt es ganz viele. Aber ich denke, ich weiss was ihr wissen wollt. Das Ziel ist es, in den Playoffs ein ernstes Wort mitreden zu können. Letztes Jahr war das Halbfinale eigentlich eine klare Sache, und das soll dieses Jahr nicht mehr sein. Und wie bereits gesagt, das Team auf eine gesunde Basis zu stellen.

ZR: Beissen sich diese beiden Ziele nicht?

PH: Könnte man meinen, ja. Aber ich kenne die letztjährige Mannschaft, und wir haben praktisch keine Abgänge zu beklagen. Zusammen mit den ehemaligen Juniors die zu den Seniors kommen, eventuellen Rückkehrern und auch neuen Spielern sind wir ziemlich gut aufgestellt. Ich bin zuversichtlich, in den Playoffs mitreden zu können, ohne meine Prinzipien über den Haufen werfen zu müssen.

ZR: Da freuen wir uns drauf! Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Saison 2015!

PH: Vielen Dank für eure Fragen, es war mir ein Vergnügen!

 

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